- Die Räumpflicht gilt auch, wenn Sie verreist sind.
- Übertragen ist erlaubt, Auswahl und Kontrolle bleiben Ihre Aufgabe.
- Jede Vertretung braucht eine Rückfallebene.
- Wer öfter verreist, zahlt mit dem Saisonvertrag kaum mehr als für Einzeleinsätze.
- Fotos oder Einsatzprotokolle sichern Sie im Streitfall ab.
Abwesenheit befreit nicht von der Räumpflicht
Das Berliner Straßenreinigungsgesetz knüpft die Pflicht zum Räumen und Streuen an das Grundstück, nicht an die Anwesenheit des Eigentümers. Ob Sie zwei Wochen in den Alpen, bei der Familie oder im Krankenhaus sind, ändert daran nach aktuellem Stand nichts. Schnee muss unverzüglich nach Ende des Schneefalls geräumt, Glätte unverzüglich abgestumpft werden; fällt der Schnee nach 20 Uhr, ist bis 7 Uhr des Folgetages Zeit, an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr.
Gerade die Ferien rund um Weihnachten und den Jahreswechsel fallen in eine Zeit, in der Berlin regelmäßig Frost, Schnee oder Eisregen erlebt. Wie die Fristen an Sonntagen und den einzelnen Feiertagen aussehen, zeigt der Beitrag zum Schneeräumen an Sonn- und Feiertagen – wichtig für alle, die über die Feiertage verreisen.
Bleibt der Gehweg ungeräumt, drohen bei einer Kontrolle durch das Ordnungsamt ein Ordnungswidrigkeitenverfahren und gegebenenfalls eine Ersatzvornahme auf Ihre Kosten. Stürzt jemand, kommen zivilrechtliche Ansprüche nach § 823 BGB und im schlimmsten Fall ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung in Betracht. Der Urlaub ist dabei keine Entschuldigung, sondern ein vorhersehbarer Umstand, für den Sie hätten vorsorgen müssen.
Die drei Vertretungsmodelle im Vergleich
Die Pflicht darf nach aktuellem Stand auf eine geeignete Person oder Firma übertragen werden. In der Praxis gibt es drei Modelle, die sich in Kosten, Verbindlichkeit und Kontrollmöglichkeit deutlich unterscheiden.
| Modell | Kosten | Verbindlichkeit | Kontrolle aus der Ferne | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|---|
| Nachbar oder Familie | meist Gefälligkeit oder kleines Dankeschön | gering bis mittel, hängt an einer Person | Fotos per Messenger | die Person selbst vor Ort und fit ist |
| Firma auf Abruf | 25–45 € pro Einsatz (kleine Flächen) | hoch, wenn Einsatzauslöser vereinbart sind | Einsatzprotokoll | Sie nur kurz weg sind und das Risiko begrenzt ist |
| Saisonvertrag | 1,80–3,00 € pro lfm und Monat | hoch, Firma reagiert selbstständig | Einsatzprotokoll | Sie mehrmals im Winter verreisen oder pendeln |
Alle Preise sind unverbindliche Netto-Richtwerte; verbindlich ist das Angebot nach einer Flächenbesichtigung. Wie die Nachbarschaftslösung als dauerhaftes Modell mit Rotation oder Sammelauftrag funktioniert, erklärt der Beitrag Winterdienst mit Nachbarn teilen. Hier geht es um die kurzfristige Überbrückung Ihrer Abwesenheit.
Rechenbeispiel: zwei Wochen Skiurlaub im Januar
Angenommen, Sie besitzen ein Reihenendhaus mit 15 m Gehwegfront und sind vom 3. bis 17. Januar verreist. In diesem Zeitraum gibt es zwei Schneefälle und zwei Glättenächte, insgesamt also vier Einsätze.
| Variante | Rechnung | Kosten netto |
|---|---|---|
| Einsatz auf Abruf, vorab vereinbart | 4 Einsätze × 35 € | 140 € |
| Saisonvertrag November bis März | 15 m × 2,40 € × 5 Monate | 180 € für die ganze Saison |
| Kurzfristiger Notfalleinsatz ohne Vorvereinbarung | ab 50 € pauschal zzgl. Fläche je Einsatz | mindestens 200 € bei vier Einsätzen |
Das Beispiel zeigt: Wer ohnehin mehrmals im Winter weg ist oder morgens früh pendelt, ist mit dem Saisonvertrag kaum teurer und muss sich um nichts mehr kümmern. Wer nur einmal verreist und sonst selbst räumt, fährt mit einem vorab geregelten Abruf gut. Die teuerste Lösung ist, erst im Urlaub festzustellen, dass niemand räumt.
Nachbarn als Vertretung: worauf Sie achten sollten
Die Nachbarin, die ohnehin ihren eigenen Gehweg räumt, ist oft die naheliegende Lösung. Damit die Absprache trägt, sollten Sie sie konkret machen statt nur „Kannst du mal ein Auge drauf haben?“ zu fragen.
- Schriftlich festhalten: Zeitraum, Flächen (Gehweg, Hauszugang, Mülltonnenweg), Fristen und Kontaktdaten auf einem Zettel oder per Nachricht.
- Material bereitstellen: Schieber, Besen und abstumpfendes Streugut zugänglich lagern, nicht im verschlossenen Keller.
- Ersatz klären: Was passiert, wenn die Nachbarin selbst krank wird oder verreist? Eine zweite Person oder eine Firmennummer als Rückfallebene gehört dazu.
- Versicherung fragen: Klären Sie mit Ihrer Haftpflichtversicherung, ob Schäden durch eine unentgeltlich helfende Person abgedeckt sind.
- Bezahlung bedenken: Regelmäßige bezahlte Hilfe im Privathaushalt ist in der Regel als Minijob anzumelden.
Auch bei einer Übertragung bleiben Sie verpflichtet, eine geeignete Person auszuwählen und stichprobenartig zu kontrollieren. Eine Nachbarin, die selbst nur mit Gehstock unterwegs ist, ist für den Gehweg keine geeignete Vertretung, so hilfsbereit sie sein mag. Ob die Auswahl im Streitfall ausreicht, ist eine Frage des Einzelfalls.
Winterdienst für die Reisezeit beauftragen
Eine Firma ist die verbindlichste Lösung, weil sie Personal, Material und Rückfallebenen selbst organisiert. Damit sie während Ihrer Abwesenheit tatsächlich ausrückt, müssen einige Punkte vor der Abreise geklärt sein:
- Einsatzauslöser: Rückt der Dienst bei Schneefall und Glätte selbstständig aus, oder muss jemand anrufen? Bei einer reinen Abruflösung brauchen Sie eine Person vor Ort, die das übernimmt.
- Zeitraum und Flächen: exakte Daten, Gehweglänge, Zugang zum Grundstück, ggf. Schlüssel für Tor oder Streugutkiste.
- Nachweis: Lassen Sie sich Einsatzprotokolle mit Uhrzeit zusenden. RAT Winterdienst dokumentiert Einsätze mit digitalen Protokollen, die belegen, wann geräumt wurde.
- Erreichbarkeit: Hinterlegen Sie eine Nummer, unter der Sie oder eine Vertrauensperson bei Rückfragen erreichbar sind.
Planen Sie die Beauftragung nicht erst am Abreisetag. Vor allem in der ersten Frostwoche und rund um die Feiertage sind Dienstleister stark ausgelastet; eine Anfrage im Herbst schafft Klarheit.
Was die Vertretung konkret erledigen muss
Viele Absprachen scheitern daran, dass die Vertretung nur „Schnee schippen“ im Kopf hat. Geben Sie ihr eine kurze Aufgabenliste mit, die sich an den Berliner Vorgaben und an Ihrem Grundstück orientiert:
| Aufgabe | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Gehweg räumen | mindestens 1 m breit, auf Hauptverkehrs- und vielen Geschäftsstraßen 1,5 m; bei anhaltendem Schneefall mehrmals |
| Bei Glätte streuen | nur abstumpfende Mittel wie Splitt, Sand oder Granulat, kein Streusalz auf dem Gehweg |
| Zeitfenster einhalten | Schnee nach 20 Uhr bis 7 Uhr früh räumen, sonn- und feiertags bis 9 Uhr |
| Hauszugang und Briefkasten | Postboten und Lieferdienste betreten das Grundstück auch, wenn niemand da ist |
| Mülltonnenweg | am Abholtag frei, sonst bleiben die Tonnen stehen |
| Schnee ablegen | auf dem Grundstück, nicht auf Fahrbahn, Radweg oder Gully |
Ein Foto vom Grundstück, auf dem Sie die Flächen mit dem Finger eingezeichnet haben, ersetzt lange Erklärungen und vermeidet Streit darüber, was vereinbart war.
Sonderfälle: Mieter, vermietete Häuser, Ferienwohnungen
Bei vermieteten Häusern hängt die Lage vom Mietvertrag ab. Ist der Winterdienst wirksam auf die Mieter übertragen, müssen diese bei eigener Abwesenheit selbst für Ersatz sorgen. Wie das bei Krankheit, Schichtarbeit oder Urlaub des Mieters geregelt ist, behandelt der Beitrag Mieter krank oder verhindert: Wer räumt dann?.
Verreist dagegen der Vermieter, der den Dienst selbst übernommen hat, gilt das oben Gesagte. Eigentümer von leer stehenden Häusern, Zweitwohnungen oder Ferienwohnungen in Berlin haben ein Dauerproblem: Niemand ist regelmäßig vor Ort. Hier ist ein Saisonvertrag in der Regel die einzige verlässliche Lösung, weil Nachbarschaftshilfe über Monate kaum trägt.
Bei Grundstücken an Straßen der Kategorie C kann die Pflicht nach aktuellem Stand weiter reichen als auf den reinen Gehweg. Prüfen Sie vor der Übertragung, welche Flächen Ihre Vertretung genau abdecken muss.
Checkliste vor der Abreise
- Vertretung bestimmt und Zeitraum schriftlich bestätigt
- zweite Person oder Firmennummer als Rückfallebene notiert
- Streugut, Schieber und Besen zugänglich, Vorrat für mindestens drei Einsätze
- Flächen markiert oder auf einem Foto eingezeichnet (inklusive Hauszugang und Weg zu den Mülltonnen)
- Wetterwarnungen für Berlin abonniert, um bei angekündigtem Schnee nachzufragen
- Vereinbart, dass nach jedem Einsatz ein Foto oder Protokoll kommt
- Haftpflichtversicherung zur Übertragung befragt
Nach der Rückkehr lohnt ein kurzer Rundgang: Liegt noch alter Schnee an der Grundstücksgrenze, sind Splittreste auf dem Gehweg zu beseitigen oder ist die Streugutkiste leer? So starten Sie gut vorbereitet in den nächsten Wetterumschwung.
- Nur mündlich verabredet: Im Ernstfall weiß niemand mehr, ob der Hauszugang dazugehörte.
- Kein Streugut im Haus: Der Nachbar steht morgens bei Glatteis vor einer leeren Kiste.
- Abruflösung ohne Abrufer: Die Firma wartet auf einen Anruf, den niemand tätigt.
- Abreise an Heiligabend, Anfrage am 23.: Kurzfristig sind kaum noch Kapazitäten frei.
Vertretung professionell regeln
Für einzelne Reisen bietet RAT Winterdienst in Berlin den Winterdienst auf Abruf an, für Eigentümer, die öfter unterwegs sind, den Winterdienst-Saisonvertrag. Beide Varianten sind Teil unseres Angebots für Privathaushalte und beginnen mit einer kostenfreien Flächenanalyse.
Häufige Fragen
Muss ich im Urlaub jemanden zum Schneeräumen beauftragen?
Ja, wenn Sie in Berlin räumpflichtiger Anlieger sind. Die Pflicht besteht auch während Ihrer Abwesenheit. Sie können sie auf eine geeignete Person oder Firma übertragen, bleiben aber für Auswahl und Kontrolle verantwortlich.
Hafte ich, wenn mein Nachbar vergisst zu räumen?
Möglicherweise. Haben Sie eine ungeeignete Person ausgewählt oder überhaupt nicht kontrolliert, kann eine eigene Haftung in Betracht kommen. Mit einer klaren Absprache, einer Rückfallebene und Nachweisen verbessern Sie Ihre Position. Wie Ihr konkreter Fall zu bewerten ist, sollte eine rechtliche Prüfung klären.
Was kostet ein Winterdienst nur für die Urlaubszeit?
Als Richtwert liegt ein vorab vereinbarter Einsatz auf Abruf für kleine Flächen bei 25 bis 45 Euro netto. Bei vier Einsätzen in zwei Wochen sind das etwa 100 bis 180 Euro. Ein Saisonvertrag für 15 m Gehweg kostet bei 2,40 Euro pro Meter und Monat rund 180 Euro für die ganze Saison.
Wie kontrolliere ich die Räumung aus der Ferne?
Am einfachsten über Fotos mit Zeitstempel oder digitale Einsatzprotokolle des Dienstleisters. Zusätzlich hilft es, bei angekündigtem Schneefall kurz bei der Vertretung nachzufragen.