- Jeder Wechsel von Plus nach Minus erzeugt neue Glätte durch überfrierendes Schmelzwasser.
- In der Tauphase ist eine Kontrolle am Abend genauso wichtig wie am Morgen.
- Dachlawinen und Eiszapfen lösen sich vor allem an sonnigen Nachmittagen – Bereiche darunter absperren.
- Schneehaufen so platzieren, dass ihr Schmelzwasser nicht über geräumte Wege läuft.
- Abläufe, Lichtschächte und Rinnen beim ersten Tauwetter prüfen, Splitt erst nach Frostende entfernen.
Warum die Tauphase riskanter ist als der Schneefall
Solange Schnee liegt, ist die Gefahr sichtbar. Jeder sieht, dass geräumt werden muss, und Fußgänger gehen vorsichtig. Setzt Tauwetter ein, wirkt die Lage entspannter – tatsächlich verschärft sie sich. Die liegen gebliebene Schneedecke wird zum Wasserspeicher, der über Tage hinweg Nässe abgibt. Sinkt die Temperatur in der Nacht wieder unter 0 °C, gefriert dieses Wasser zu einer dünnen, oft kaum sichtbaren Eisschicht.
Dazu kommt ein organisatorisches Problem: Nach einer Schneelage lässt die Aufmerksamkeit nach. Der Räumdienst war da, der Weg ist frei – dass am nächsten Morgen dieselbe Fläche spiegelglatt sein kann, wird unterschätzt. Laut Berliner Straßenreinigungsgesetz muss Glätte auf Gehwegen nach aktuellem Stand unverzüglich beseitigt werden, sobald sie entsteht. Das schließt nach dem Wortlaut auch das Überfrieren von Schmelzwasser ein.
Woran Sie eine Tau-Frost-Lage im Wetterbericht erkennen
- Höchstwerte am Tag über 0 °C, Tiefstwerte in der Nacht darunter – vor allem bei angekündigtem klarem Himmel.
- Warnungen vor „Glätte durch überfrierende Nässe“ oder „Frost“ nach einem milden, nassen Tag.
- Rasch aufziehende milde Luft mit Regen nach einer Kälteperiode, wenn der Boden noch gefroren ist.
Trifft eine dieser Lagen zu, sollte die Kontrolle nicht nur am Morgen, sondern auch am Abend eingeplant werden.
Zeitstrahl: So verläuft ein typischer Tau-Frost-Wechsel
Das folgende Muster zeigt, wie sich die Risiken über mehrere Tage verschieben. Es beschreibt eine typische Berliner Wetterlage nach Schneefall mit milder Luft am Tag und klaren Nächten.
| Phase | Wetter | Was passiert | Kontrollpunkt |
|---|---|---|---|
| Tag 1, mittags | +3 °C, Sonne | Schnee auf Dächern und an Wegrändern beginnt zu schmelzen, Wasser läuft über Gehwege | Dachkanten, Wege unterhalb von Schneehaufen |
| Tag 1, abends | Temperatur fällt unter 0 °C | Schmelzwasser gefriert, Eiszapfen wachsen an Rinnen | Abendrunde: Wege, Treppen, Fallrohrausläufe |
| Tag 2, früh | −3 °C, klar | Flächige Eisschicht, Reif zusätzlich | Morgenkontrolle vor 7 Uhr, Streuen |
| Tag 2, nachmittags | +4 °C | Dachlawinen lösen sich, Eiszapfen fallen ab, Splitt wird weggespült | Gefahrenbereiche unter Dächern absperren |
| Tag 3 | Regen bei +5 °C | Rinnen und Abläufe noch vereist, Wasser staut sich und läuft über | Hofabläufe, Lichtschächte, Kellerabgänge |
| Tag 4, nachts | erneuter Frost | Pfützen und durchnässter Restschnee gefrieren | alle Flächen mit stehendem Wasser |
| Ende der Frostperiode | dauerhaft Plusgrade | Streugut bleibt als Rollsplitt liegen | Splitt aufnehmen, Abläufe reinigen |
Entscheidend ist der Wechsel: Jeder Übergang von Plus nach Minus erzeugt neue Glätte, jeder Übergang von Minus nach Plus setzt Schnee und Eis von Dächern in Bewegung.
Kontrollpunkte rund ums Haus
Gehen Sie in der Tauphase das Grundstück von oben nach unten durch – vom Dach bis zum Kellerabgang. So erfassen Sie den Weg des Wassers vollständig.
| Bereich | Risiko beim Tauen | Was Sie prüfen |
|---|---|---|
| Dachfläche und Dachüberstand | Dachlawinen, Schneebretter | Überhängende Schneewechten über Eingängen und Gehweg |
| Dachrinne und Fallrohr | Eisstau, überlaufendes Wasser, Eiszapfen | Tropfwasser an der Fassade, Eis am Fallrohrauslauf |
| Fassade und Vordächer | Tropfkanten, herabfallendes Eis | Eiszapfen über Wegen und Stellplätzen |
| Wege und Treppen | Überfrieren von Schmelzwasser | Nasse Stellen am Abend, Eis am Morgen |
| Schneehaufen | Schmelzwasser läuft über geräumte Flächen | Lage der Haufen, Fließrichtung des Wassers |
| Hofabläufe und Gullys | zugefroren oder mit Splitt verstopft | Abfluss frei, kein Rückstau |
| Lichtschächte, Kellertreppen | Wassereintritt in den Keller | Ablauf im Schachtboden, Abdeckungen |
Dachlawinen und Eiszapfen: der Blick nach oben
Schnee auf geneigten Dächern haftet bei Frost an der Dachhaut. Erwärmt sich die Fläche – durch Sonne von außen oder Heizwärme von innen –, bildet sich darunter ein Wasserfilm, auf dem die gesamte Schneeschicht abrutschen kann. Besonders kritisch sind sonnige Nachmittage nach kalten Nächten. Eiszapfen entstehen, wenn Schmelzwasser vom warmen Dachbereich über den kalten Dachüberstand läuft und dort wieder gefriert.
- Bereiche unter Dachkanten über Gehwegen, Eingängen und Stellplätzen bei Tauwetter absperren oder deutlich kennzeichnen.
- Eiszapfen über Verkehrsflächen nur von unten mit langen Stangen oder von einer Hubarbeitsbühne entfernen, nie von einer Leiter direkt darunter.
- Zugefrorene Rinnen nicht mit Hammer oder Beil bearbeiten – das beschädigt Rinne und Halterungen. Warum sich Eis in der Rinne überhaupt bildet und wie es sich vermeiden lässt, erklärt der Ratgeber Eis in der Dachrinne.
Auch die Last auf dem Dach verändert sich beim Tauen: Regen auf eine bestehende Schneedecke macht sie schwerer, obwohl sie sichtbar zusammensackt. Welche Gewichte dabei entstehen, zeigt der Beitrag zur Schneelast auf dem Dach.
Schmelzwasser lenken statt nur streuen
Viele Glättestellen in der Tauphase sind hausgemacht: Der Schnee wurde beim Räumen so aufgehäuft, dass sein Schmelzwasser quer über den frisch geräumten Weg läuft. Wer Schneehaufen bewusst platziert, verhindert einen Großteil der nächtlichen Eisbildung.
- Auf der tiefer liegenden Seite des Wegs aufschütten, damit Wasser vom Weg weg fließt.
- Nicht auf Hofabläufe, Gullys, Hydranten oder Lichtschächte schieben.
- Abstand zu Hauswänden und Kellerfenstern halten, damit Schmelzwasser nicht ans Mauerwerk drückt.
- Keine Haufen auf Baumscheiben, wenn der Schnee mit Streugut oder Schmutz belastet ist.
- Rinnsale über Wege am Abend kontrollieren und gezielt abstumpfen.
Wasser an Abläufen, Kellern und Lichtschächten
Setzt Regen ein, solange der Boden noch gefroren ist, kann das Wasser nicht versickern. Gleichzeitig sind Abläufe häufig mit Eis oder Streusplitt verstopft. Das Wasser sucht sich den nächsten Weg – oft über die Kellertreppe oder in einen Lichtschacht. Prüfen Sie deshalb beim ersten Tauwetter:
- Sind Hof- und Treppenabläufe frei? Eisreste vorsichtig lösen, Splitt aus dem Schmutzfang nehmen.
- Haben Lichtschächte einen funktionierenden Ablauf und ist die Abdeckung nicht von einer Schneeschicht überdeckt, die beim Tauen ins Innere läuft?
- Staut sich Wasser vor Garagen- oder Kellertüren? Dann ist die Rinne davor vermutlich zugefroren.
- Laufen Fallrohre frei in die Grundleitung, oder staut sich Wasser im Rohr und tritt an Muffen aus?
Diese Kontrolle dauert auf einem normalen Grundstück nur wenige Minuten, kann aber einen Wasserschaden im Keller verhindern.
Streugut in der Tauphase
Splitt und Granulat verlieren ihre Wirkung, wenn Schmelzwasser sie wegspült oder sie in aufweichendem Eis versinken. In der Tauphase muss daher häufiger nachgestreut werden als bei Dauerfrost – besonders am Abend vor einer Frostnacht. Gleichzeitig sammelt sich das Material in Rinnen und Abläufen.
Bewährt hat sich ein zweistufiges Vorgehen: Am Nachmittag Matsch und Wasser so weit wie möglich von den Wegen schieben, damit weniger Nässe überfrieren kann. Am Abend, kurz bevor die Temperatur unter 0 °C fällt, gezielt die Stellen abstumpfen, an denen noch Wasser steht oder läuft. So wird weniger Material verbraucht, und es liegt dort, wo es in der Nacht gebraucht wird. Streusalz bleibt auf Berliner Gehwegen auch in dieser Phase grundsätzlich tabu.
Ist die Frostperiode endgültig vorbei, wird liegen gebliebener Splitt selbst zur Gefahr: Auf trockenem Pflaster wirkt er wie Kugellager unter den Schuhen, für Radfahrer ist er besonders tückisch. Wie Sie Streugut nach dem Winter aufnehmen und wohin es gehört, beschreibt der Ratgeber Streusplitt entsorgen.
Nach dem Winter: Frostschäden an Wegen und Treppen
Der wiederholte Wechsel von Tauen und Gefrieren hinterlässt Spuren. Wasser dringt in Fugen, Risse und unter Pflastersteine, dehnt sich beim Gefrieren aus und hebt das Material an. Taut es wieder, sackt der Belag ungleichmäßig ab. Am Ende eines Winters mit vielen Wechseln zeigen sich deshalb typische Schäden:
- gelockerte oder angehobene Pflastersteine und Gehwegplatten – klassische Stolperkanten
- abgeplatzte Kanten an Betonstufen und Natursteintreppen
- Risse in Asphaltflächen von Höfen und Zufahrten, aus denen später Schlaglöcher werden
- ausgewaschene Fugen, in denen sich im nächsten Winter wieder Wasser sammelt
Ein Rundgang nach dem Ende der Frostperiode lohnt sich daher doppelt: Sie entdecken Stolperstellen, bevor jemand stürzt, und können Reparaturen in die frostfreie Zeit legen. Notieren Sie die Schäden gleich in Ihrer Gefahrenstellen-Übersicht, damit sie vor dem nächsten Winter behoben sind.
Typische Fehler im Tauwetter und wie Sie sie vermeiden
- Kontrolle nur morgens: In der Tauphase entsteht Glätte vor allem am Abend. Eine zweite Runde nach Sonnenuntergang ist sinnvoll.
- Eiszapfen ignorieren, weil sie „gleich abtauen“: Gerade beim Abtauen fallen sie herunter.
- Splitt zu früh entfernen: Ein einzelner milder Tag beendet den Winter nicht. Erst nach stabiler Wetterlage aufnehmen.
- Abläufe erst bei Überschwemmung prüfen: Wer beim ersten Tauwetter nachschaut, hat noch Zeit zu reagieren.
Wenn Sie die Tauphase nicht selbst überwachen möchten, übernimmt RAT Winterdienst abendliche und morgendliche Glättekontrollen mit Einsatzprotokoll. Rinnen und Fallrohre lassen sich vor und nach der Saison über die Dachrinnenreinigung freihalten, und zum Saisonende nimmt unsere Splittbeseitigung das Streugut wieder auf.
Häufige Fragen
Warum wird es nach Tauwetter oft glatter als bei Schnee?
Tagsüber schmilzt Schnee und Wasser läuft über Wege, Treppen und Rampen. Fällt die Temperatur nachts unter 0 °C, gefriert dieses Wasser zu einer dünnen, glatten Eisschicht, die kaum zu erkennen ist. Frischer Schnee bietet dagegen meist noch etwas Halt.
Muss ich bei Tauwetter weiter streuen?
Ja, solange Glätte entsteht. Nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz ist Glätte auf Gehwegen nach aktuellem Stand unverzüglich zu beseitigen – auch wenn sie durch überfrierendes Schmelzwasser entsteht. In der Tauphase ist oft sogar häufigeres Nachstreuen nötig.
Wann lösen sich Dachlawinen am häufigsten?
Typisch sind sonnige Nachmittage nach kalten Nächten und Phasen mit steigenden Temperaturen oder Regen. Dann bildet sich unter der Schneeschicht ein Wasserfilm, auf dem sie abrutscht. Bereiche unter Dachkanten sollten in dieser Zeit gesperrt oder gekennzeichnet werden.
Wann darf der Streusplitt weggeräumt werden?
Erst wenn die Frostperiode stabil vorbei ist. Ein einzelner milder Tag reicht nicht, weil der nächste Frost erneut Glätte bringen kann. Danach sollte der Splitt zügig aufgenommen werden, damit er nicht zur Rutschgefahr wird und Abläufe verstopft.