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Bei Glatteis richtig gehen: Technik, Schuhe und Spikes

Auf Glatteis gehen Sie am sichersten im sogenannten Pinguin-Gang: kleine Schritte, Knie leicht gebeugt, Oberkörper etwas nach vorn und den ganzen Fuß flach aufsetzen. Dazu kommen Schuhe mit weicher, tief profilierter Gummisohle oder Schuhspikes für Blankeis und freie Hände, um das Gleichgewicht zu halten.

Illustration: Fußgänger geht vorsichtig im Pinguin-Gang über einen frisch gestreuten Altbau-Gehweg
Kurze Schritte, gebeugte Knie, freie Hände: Der Pinguin-Gang hält den Schwerpunkt über dem tragenden Fuß.
Das Wichtigste in Kürze
  • Pinguin-Gang: kurze Schritte, Knie gebeugt, Gewicht nach vorn, ganzen Fuß flach aufsetzen.
  • Hände aus den Taschen und frei halten – Rucksack statt Tasche.
  • Weiche, tief profilierte Sohlen für den Alltag, Schuhspikes oder Grödel für Blankeis.
  • Bordsteine, Treppen, Gefälle und das Aussteigen aus Fahrzeugen sind die riskantesten Momente.
  • Ältere Menschen legen Wege bei Glätte am besten in die Tagesmitte.

Warum der normale Schritt auf Eis versagt

Beim gewohnten Gehen setzen wir den Fuß ein gutes Stück vor dem Körper mit der Ferse auf. Der Schwerpunkt liegt in diesem Moment hinter dem vorderen Fuß, und die Ferse trifft schräg auf den Boden. Auf griffigem Pflaster ist das kein Problem. Auf Eis rutscht die Ferse nach vorn weg, der Körper kippt nach hinten – der typische Sturz auf Gesäß, Rücken oder Hinterkopf.

Ein zweites Problem ist das Abdrücken: Beim schnellen Gehen stößt sich der hintere Fuß kräftig ab. Ist der Untergrund glatt, findet er keinen Halt und rutscht nach hinten weg. Wer sicher über Eis kommen will, muss also beides verändern – wie der Fuß aufsetzt und wie er sich abdrückt.

Gefährlich ist vor allem Eis, das man nicht sieht. Wie Sie Blitzeis, Reifglätte und gefrierende Nässe unterscheiden und erkennen, erklärt der Ratgeber Glatteis, Blitzeis und Reifglätte.

Der Pinguin-Gang Schritt für Schritt

Pinguine watscheln nicht ohne Grund: Ihr Gang hält den Schwerpunkt ständig über dem Fuß, der gerade Last trägt. Diese Technik lässt sich leicht übernehmen:

  1. Knie leicht beugen. Das senkt den Schwerpunkt und federt kleine Rutscher ab.
  2. Oberkörper etwas nach vorn neigen. Das Gewicht liegt über den Füßen statt dahinter.
  3. Kurze Schritte machen. Der vordere Fuß landet fast unter dem Körper, nicht weit davor.
  4. Ganzen Fuß flach aufsetzen. Nicht mit der Ferse aufkommen, sondern mit der gesamten Sohle gleichzeitig.
  5. Fußspitzen leicht nach außen drehen. Das verbreitert die Standfläche.
  6. Gewicht ganz verlagern, bevor der nächste Schritt folgt. Nicht abdrücken, sondern abrollen und umsteigen.
  7. Arme seitlich leicht vom Körper. Sie dienen als Balancierhilfe – deshalb nie mit den Händen in den Jackentaschen gehen.

Der Pinguin-Gang ist langsamer. Planen Sie bei Glätte für jeden Weg mehr Zeit ein; Hektik ist einer der häufigsten Auslöser von Stürzen.

Situationen mit erhöhtem Sturzrisiko

  • Bordsteinkanten: An Überwegen sammelt sich Schmelzwasser und gefriert. Langsam an die Kante herantreten, Fuß flach aufsetzen, nicht hinunterspringen.
  • Treppen: Immer den Handlauf nutzen, Stufe für Stufe mit ganzem Fuß gehen. Bergab ist riskanter als bergauf.
  • Gefälle und Rampen: Abwärts mit noch kürzeren Schritten und tieferem Schwerpunkt, bei starkem Gefälle seitlich gehen.
  • Aus dem Auto oder Bus steigen: Erst beide Füße auf den Boden stellen, festhalten, dann aufrichten. Viele Stürze passieren beim ersten Schritt.
  • Übergang nach drinnen: Hinter der Eingangstür sind Fliesen oft nass von Schneeresten. Schuhe auf der Matte abtreten, die ersten Schritte vorsichtig.
  • Dunkelheit: Am frühen Morgen und abends ist Eis kaum zu erkennen – genau dann, wenn Berufs- und Schulweg anstehen.
  • Ablenkung: Wer auf das Smartphone schaut, sieht keine Eisflächen und reagiert verzögert.
  • Haltestellen: Wartende treten Schnee zu einer glatten Fläche fest. Stellen Sie sich auf gestreute oder raue Stellen und gehen Sie nicht im letzten Moment zum Bus.
  • Grundstücksausfahrten: Wo Autos über den Gehweg fahren, entstehen festgefahrene, glatt polierte Spurrillen, die beim Überqueren leicht übersehen werden.

Schuhe und Spikes im Vergleich

Die Sohle entscheidet mit darüber, ob ein Schritt hält. Nicht jeder Winterschuh ist automatisch auch eistauglich.

Schuh bzw. HilfsmittelHalt auf SchneeHalt auf BlankeisHinweise
Glatte Leder- oder Kunststoffsohleschlechtsehr schlechtBei Glätte meiden, auch kurze Wege
Harte Gummisohle mit flachem ProfilmäßigschlechtGummi verhärtet bei Kälte und verliert Haftung
Winterstiefel mit weicher Gummisohle und tiefem, grobem ProfilgutmäßigBester Alltagsschuh, Profil regelmäßig von Eis befreien
Schuhspikes zum Überziehen (Gummiband mit Spikes oder Stahlspiralen)gutsehr gutVor dem Betreten von Gebäuden abnehmen – auf Fliesen und Stein rutschig
Grödel bzw. Ketten für Schuhesehr gutsehr gutFür vereiste Wege, Gefälle und längere Strecken; im Alltag oft zu grob
Schuhe mit ausklappbaren Spikes in der Sohlegutgut bis sehr gutPraktisch für wechselnde Untergründe, Mechanik vor dem Winter prüfen

Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Sohle sich auch bei Kälte noch mit dem Finger eindrücken lässt. Ein Absatz erhöht das Risiko, weil er die Auflagefläche verkleinert. Überziehspikes sollten fest sitzen und sich beim Gehen nicht verdrehen.

Illustration: Ältere Frau nutzt den Handlauf einer abgestumpften Außentreppe in einer Wohnanlage
Treppen abwärts gehören zu den riskantesten Stellen – Handlauf nutzen und jede Stufe mit dem ganzen Fuß betreten.

Hilfsmittel, die mehr Sicherheit bringen

  • Gehstock mit Eiskralle: Für viele Gehstöcke gibt es klappbare Metallspitzen, die auf Eis greifen und in Innenräumen hochgeklappt werden.
  • Rucksack statt Tasche: Beide Hände bleiben frei, das Gewicht sitzt mittig am Körper.
  • Handschuhe: Wer kalte Hände hat, steckt sie in die Taschen – und kann sich nicht abfangen.
  • Reflektierende Kleidung: Wer auf glatten Wegen ausweichen muss, sollte für Rad- und Autofahrer gut sichtbar sein.
  • Taschenlampe oder Stirnlampe: Im Dunkeln lassen sich glänzende Eisflächen im Lichtkegel besser erkennen.

Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Tragen Sie bei angekündigter Glätte ein Paar Überziehspikes in der Jackentasche bei sich. Sie wiegen wenig und lassen sich in einer Minute anlegen, wenn der Heimweg am Abend plötzlich spiegelglatt ist. Prüfen Sie vor dem Winter, ob Gummibänder spröde geworden sind und alle Spikes noch fest sitzen.

Tipps für ältere Menschen

Mit zunehmendem Alter haben Stürze oft schwerere Folgen, etwa Brüche am Handgelenk oder an der Hüfte. Neben Technik und Schuhwerk helfen deshalb einige besondere Vorkehrungen:

  • Wege in die Tagesmitte legen: Morgens ist es oft noch glatt und dunkel. Bis zum späten Vormittag sind die meisten Gehwege geräumt und gestreut.
  • Bei Blankeis zu Hause bleiben oder Einkäufe liefern lassen, wenn es möglich ist.
  • Rollator kritisch prüfen: Auf Eis können die Räder wegrutschen. Bei Glätte ist ein Gehstock mit Eiskralle oft sicherer.
  • Hüftprotektoren können bei erhöhtem Sturzrisiko die Folgen eines Sturzes abmildern; ärztlichen Rat dazu einholen.
  • Medikamente beachten: Mittel, die Schwindel oder Müdigkeit verursachen, erhöhen das Risiko. Fragen Sie in der Hausarztpraxis nach.
  • Gleichgewicht trainieren: Kurse zur Sturzprävention, wie sie etwa Krankenkassen oder Sportvereine anbieten, stärken die Balance – am besten schon im Herbst.
  • Telefon dabeihaben, um nach einem Sturz Hilfe rufen zu können.

Wer selbst Eigentümer ist und das Räumen nicht mehr leisten kann, findet Lösungen im Ratgeber Winterdienst für Senioren.

Wenn es doch passiert: richtig fallen

Einen Sturz zu verhindern ist besser, als ihn abzufangen. Merken Sie aber, dass Sie den Halt verlieren, helfen ein paar Grundsätze, die Folgen zu begrenzen:

  • Kinn zur Brust ziehen, um den Hinterkopf zu schützen.
  • Versuchen, zur Seite oder nach vorn zu fallen und auf Gesäß oder Oberschenkel zu landen.
  • Den Sturz nicht mit ausgestreckten, steifen Armen abfangen – das führt häufig zu Handgelenksbrüchen. Besser die Arme leicht angewinkelt vor den Körper nehmen.
  • Nach dem Sturz nicht hastig aufspringen, sondern erst prüfen, ob etwas schmerzt. Zum Aufstehen auf die Knie drehen und sich an einem festen Gegenstand hochziehen.

Bei Schmerzen oder Verdacht auf einen Bruch ärztlich untersuchen lassen. Fotografieren Sie die Unfallstelle und notieren Sie Ort und Uhrzeit, falls Sie später Ansprüche geltend machen möchten. Welche Rolle Ihr eigenes Verhalten und Ihr Schuhwerk dabei spielen, erklärt der Ratgeber zum Mitverschulden bei Glatteisunfällen.

Mit Kindern, Kinderwagen und Hund unterwegs

Wer nicht allein unterwegs ist, hat bei Glätte weniger Spielraum: Eine Hand hält das Kind, die andere den Kinderwagen oder die Leine. Einige Anpassungen machen den Weg trotzdem sicherer:

  • Kinderwagen: Mit beiden Händen führen und die Handschlaufe ums Handgelenk legen, damit der Wagen auf Gefälle nicht davonrollt. Auf vereisten Strecken den Wagen dicht am Körper halten und noch kürzere Schritte machen.
  • Kleine Kinder: Nicht an ausgestreckter Hand ziehen. Rutscht das Kind, reißt es Sie mit. Besser dicht nebeneinander gehen und das Tempo dem Kind anpassen.
  • Hund: Eine kurze Leine verhindert, dass ein plötzlicher Zug Sie aus dem Gleichgewicht bringt. Gassirunden bei Blankeis auf gestreute Wege beschränken.
  • Schulweg: Mit Kindern vorab besprechen, wo es glatt wird – Brücken, Treppen, Bordsteine – und dass Rutschen auf Eisflächen am Gehweg andere gefährdet.

Was Eigentümer zur Sicherheit beitragen

Die beste Gehtechnik hilft wenig, wenn Wege nicht gestreut sind. Eigentümer und Anlieger sind in Berlin nach aktuellem Stand verpflichtet, Gehwege vor ihrem Grundstück bei Glätte unverzüglich mit abstumpfenden Mitteln zu sichern. Für Bewohner mit Rollator, Rollstuhl oder Sehbehinderung kommt es dabei besonders auf durchgehende, ausreichend breite Wege ohne Eiskanten an – ein Thema für den barrierefreien Winterdienst.

Wenn Sie als Eigentümer oder Hausverwaltung die Glättesicherung abgeben möchten, übernimmt RAT Winterdienst den Streudienst und die Glättebekämpfung auf Ihren Flächen – mit umweltschonenden Streumitteln und digitalem Einsatzprotokoll.

Häufige Fragen

Was ist der Pinguin-Gang?

Eine Gehtechnik für glatte Wege: kleine Schritte, leicht gebeugte Knie, Oberkörper etwas nach vorn und den ganzen Fuß flach aufsetzen. So bleibt der Schwerpunkt über dem tragenden Fuß, und die Ferse kann nicht nach vorn wegrutschen.

Welche Schuhe sind bei Glatteis am besten?

Für den Alltag Winterstiefel mit weicher Gummisohle und tiefem, grobem Profil. Auf Blankeis bieten Schuhspikes zum Überziehen oder Grödel deutlich mehr Halt. Glatte Leder- und harte Kunststoffsohlen sowie Absätze sind ungeeignet.

Darf ich mit Schuhspikes in Geschäfte gehen?

Besser nicht. Auf Fliesen, Stein und Parkett rutschen Metallspikes und können den Boden beschädigen. Nehmen Sie Überziehspikes vor dem Betreten ab oder nutzen Sie Schuhe mit einklappbaren Spikes.

Wie falle ich auf Eis am wenigsten gefährlich?

Kinn zur Brust ziehen, möglichst zur Seite fallen und auf Gesäß oder Oberschenkel landen. Den Sturz nicht mit gestreckten Armen abfangen, da sonst Handgelenksbrüche drohen. Danach langsam über die Knie aufstehen.

Redaktion RAT Winterdienst

Unsere Ratgeber entstehen aus der Praxis des Berliner Winterdienstes: Was sich auf Gehwegen, Höfen, Parkplätzen und Zufahrten bewährt, schreiben wir verständlich auf. Rechtliche Hinweise geben den Stand Oktober 2026 wieder und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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