- Gesetzlich gibt es keine Saison: Geräumt und gestreut wird, sobald Schnee oder Glätte auftritt.
- Üblich sind Verträge vom 1. November bis 31. März.
- Oktober und April sind die Lücke – mit Verlängerung oder Abrufklausel schließen.
- Nach Vertragsende liegt die Pflicht wieder vollständig beim Eigentümer.
- Vorbereitung bis Ende Oktober, Auswertung nach Saisonende im März oder April.
Gesetzlich gibt es keine Saison
Das Berliner Straßenreinigungsgesetz knüpft die Pflichten der Anlieger an das Wetter, nicht an den Kalender. Sobald der Schneefall endet, ist unverzüglich zu räumen; bildet sich Glätte, muss sie unverzüglich mit abstumpfenden Mitteln bekämpft werden. Schneit es erst nach 20 Uhr oder wird es danach glatt, reicht die Frist für Räumen und Streuen bis 7 Uhr am nächsten Tag, sonn- und feiertags bis 9 Uhr. Was an Weihnachten, Silvester und Neujahr konkret gilt, behandelt der Beitrag Schnee räumen am Sonntag und an Feiertagen.
Ein Datum, ab dem die Pflicht beginnt oder endet, sieht das Gesetz nicht vor. Wer am 2. April morgens Reifglätte vor dem Haus hat, ist genauso streupflichtig wie im Januar – unabhängig davon, ob der Vertrag mit einem Dienstleister schon ausgelaufen ist. Die „Winterdienst-Saison“ ist also ein Begriff aus der Vertragspraxis, kein Rechtsbegriff.
Für private Flächen wie Parkplätze und Höfe gilt die allgemeine Verkehrssicherungspflicht. Auch sie richtet sich nach Wetterlage und Nutzung der Fläche, nicht nach Monaten. Das gilt nach aktuellem Stand; im Einzelfall sollte die Rechtslage geprüft werden.
Übliche Vertragszeiträume und ihre Varianten
In der Praxis haben sich einige Modelle etabliert. Welches passt, hängt von Lage, Nutzung und Risikobereitschaft ab:
- 1. November bis 31. März: der Standard für Wohngebäude und viele Gewerbeflächen. Fünf Monate decken den Großteil der Berliner Glättetage ab.
- 15. Oktober bis 15. April: sinnvoll für Objekte mit hohem Publikumsverkehr, Kliniken, Pflegeeinrichtungen oder exponierte Lagen wie Brücken, Rampen und Schattenhöfe.
- Saison mit Verlängerungsoption: Der Vertrag endet regulär im März, verlängert sich aber automatisch um Einzeleinsätze, wenn danach noch Glätte auftritt.
- Ohne feste Saison: Einsätze auf Abruf, abgerechnet pro Einsatz. Hier entscheidet der Auftraggeber im Einzelfall, ob ausgerückt wird.
Achten Sie bei der Vertragsprüfung darauf, wie „Saison“ im Vertrag definiert ist und ob Einsätze außerhalb dieses Zeitraums ausdrücklich geregelt sind. Fehlt eine solche Klausel, entsteht im Oktober und April eine Lücke, die viele Eigentümer erst bemerken, wenn es glatt ist.
Neben dem Zeitraum gehört auch die tägliche Einsatzzeit in den Vertrag. Für öffentliche Gehwege bestimmen die gesetzlichen Fristen den Zeitraum; für private Flächen legen Gerichte meist den Rahmen von ca. 7 bis 20 Uhr oder die jeweiligen Öffnungs- und Nutzungszeiten zugrunde. Ein Supermarkt mit Öffnung um 6 Uhr braucht deshalb eine andere Regelung als ein Wohnhaus.
Monatskalender: Was von Oktober bis April ansteht
Der Kalender zeigt typische Wetterlagen in Berlin und die passenden Aufgaben. Die Grenzen sind fließend – kein Winter gleicht dem anderen. Wie häufig Schnee und Glätte in Berlin tatsächlich auftreten und wie sich das verändert, ordnet der Beitrag Schneetage in Berlin ein.
| Monat | Typische Lage | Was ansteht | Vertragsstatus (Standard) |
|---|---|---|---|
| Oktober | nasses Laub, erste Bodenfröste vor allem in Stadtrandlagen möglich | Vertrag abschließen, Streugut auffüllen, Außenanlagen vorbereiten | noch nicht aktiv |
| November | Reifglätte an klaren Morgen, vereinzelt erster Schnee | Saisonstart, Kontrollrouten einrichten, Zugänge freihalten | aktiv ab 1. November |
| Dezember | Schneefall und überfrierende Nässe möglich, Feiertage | Vertretung über die Feiertage sicherstellen | aktiv |
| Januar | oft die kälteste Phase, längere Frostperioden möglich | Streugutvorrat prüfen, Nachstreuen bei Dauerfrost | aktiv |
| Februar | Wechsel aus Schnee, Tauwetter und Überfrieren | Rinnen und Abläufe freihalten, Eisbildung an Tropfkanten beobachten | aktiv |
| März | Spätwinter mit Morgenglätte, tagsüber oft frostfrei | Hauptwege vom Splitt befreien, Reserve für Kälterückfälle behalten | aktiv bis 31. März |
| April | vereinzelte Nachtfröste, Schnee selten, aber nicht ausgeschlossen | Restsplitt entfernen, Protokolle archivieren | ausgelaufen |
Auffällig ist: Die beiden Randmonate Oktober und April liegen außerhalb der Standardsaison, obwohl dort Glätte möglich ist. Genau hier entscheidet die Vertragsgestaltung, ob Sie abgesichert sind.
Früh- und Spätwinter: die Lücke außerhalb der Vertragszeit
Ein Kälteeinbruch Ende Oktober oder ein Schneeschauer Anfang April kommt in Berlin nicht jedes Jahr vor, aber regelmäßig genug, um ihn einzuplanen. Für diese Fälle gibt es drei Wege:
Verlängerte Laufzeit
Der Vertrag beginnt zwei Wochen früher und endet zwei Wochen später. Das schafft Ruhe, kostet aber auch dann, wenn nichts passiert.
Abrufklausel mit Festpreis
Im Saisonvertrag wird vereinbart, dass Einsätze außerhalb des Zeitraums zu einem festen Preis pro Einsatz ausgeführt werden. Sie zahlen nur bei Bedarf und müssen keinen neuen Anbieter suchen. Wie Einzelaufträge ohne Saisonbindung funktionieren, beschreibt die Seite zum Winterdienst auf Abruf.
Eigenleistung mit Reserve
Für kleine Flächen kann es genügen, für die Randzeit selbst vorzusorgen: ein gefüllter Streugutbehälter, Schaufel und Besen sowie eine klare Absprache, wer im Haus übernimmt.
Ist der Dienstleister nach Vertragsende nicht mehr zuständig, liegt die Räum- und Streupflicht wieder vollständig beim Eigentümer. Bei einem Unfall im April hilft der Hinweis auf die abgelaufene Saison nicht weiter.
Lage und Nutzung: Wann eine längere Laufzeit sinnvoll ist
Berlin ist kein einheitliches Klimagebiet. Die dicht bebaute Innenstadt speichert Wärme, während Stadtrandlagen mit viel Grün und offenen Flächen in klaren Nächten deutlich stärker auskühlen. In Ortsteilen am Stadtrand setzt Reifglätte deshalb oft früher im Herbst ein und hält sich länger ins Frühjahr. Dazu kommen kleinräumige Faktoren:
- Schattenlagen: Nordseiten, enge Hinterhöfe und Durchfahrten bleiben glatt, wenn die Straße längst trocken ist.
- Brücken, Rampen und Parkdecks: Sie kühlen von unten aus und vereisen zuerst.
- Wasser in der Nähe: Grundstücke an Seen und Kanälen haben häufiger Nebel und damit Reifglätte.
Auch die Nutzung zählt. Wo Menschen mit eingeschränkter Mobilität unterwegs sind – an Kliniken, Arztpraxen, Pflegeheimen oder Kitas – wiegt ein Sturz besonders schwer. Für solche Objekte lohnt es sich, die Laufzeit großzügiger zu wählen oder zumindest eine verbindliche Einsatzregelung für die Randmonate zu treffen.
Rechenbeispiel: Standardsaison, Verlängerung oder Abruf
Ein Mehrfamilienhaus hat 20 laufende Meter Gehweg. Der Anbieter kalkuliert die Saisonpauschale mit 2,40 € pro laufendem Meter und Monat (alle Werte netto, Richtwerte).
| Modell | Rechnung | Kosten |
|---|---|---|
| Standardsaison November bis März | 20 m × 2,40 € × 5 Monate | 240 € |
| Verlängerte Saison Mitte Oktober bis Mitte April | 20 m × 2,40 € × 6 Monate | 288 € |
| Standardsaison plus zwei Abrufeinsätze in den Randmonaten | 240 € + 2 × 35 € | 310 € |
| Standardsaison, Randmonate ohne Einsatz | 240 € + 0 € | 240 € |
Die Rechnung zeigt: Ob sich eine Verlängerung lohnt, hängt davon ab, wie oft es in den Randmonaten tatsächlich glatt wird. Bei einem ruhigen Herbst ist die Abrufklausel günstiger, bei mehreren Einsätzen die verlängerte Laufzeit. Wer nur einzelne Einsätze auf Abruf bucht, zahlt für kleine Flächen laut unseren Richtwerten 25 bis 45 € pro Einsatz; bindend ist stets das Festpreisangebot, das auf die kostenfreie Flächenanalyse folgt. Eine ausführliche Gegenüberstellung beider Abrechnungsarten über die ganze Saison bietet der Beitrag Saisonpauschale oder Einzeleinsatz.
Vor dem Saisonstart: was bis Ende Oktober erledigt sein sollte
- Vertrag unterschrieben, Leistungsbeginn und Laufzeit schriftlich bestätigt
- Flächen mit Breite und Priorität erfasst, inklusive Treppen, Rampen und Müllplatz
- Streugutbehälter gefüllt, Werkzeug für Eigenleistung bereit
- Gartenleitungen entleert, Laub aus Rinnen und Abläufen entfernt
- Zugang für den Dienstleister geklärt: Schlüssel, Tore, Codes
- Ansprechpartner und Notfallnummer im Haus bekannt gemacht
Wer noch keinen Dienstleister hat, sollte nicht bis zum ersten Frost warten. Besichtigung, Angebot und Vertragsabschluss brauchen Zeit, und im Spätherbst sind die Kapazitäten vieler Anbieter knapp. Einen rückwärts gerechneten Zeitplan finden Sie im Beitrag Wann sollte man einen Winterdienst beauftragen?. Die Vorbereitung der Außenanlagen – Leitungen, Beete, Rinnen – lässt sich mit einer Winterfestmachung im Oktober erledigen.
Nach dem Saisonende: Bilanz ziehen
Ende März oder Anfang April ist der richtige Moment, um die vergangene Saison auszuwerten und die nächste vorzubereiten:
- Einsätze zählen: Wie oft wurde geräumt und gestreut, gab es Einsätze außerhalb der Vertragszeit?
- Protokolle sichern: Einsatznachweise sollten Sie mehrere Jahre aufbewahren, weil Ansprüche aus Glätteunfällen teils erst später geltend gemacht werden.
- Schwachstellen notieren: Stellen, an denen es wiederholt glatt war, gehören im nächsten Jahr auf die Prioritätenliste.
- Vertragsmodell prüfen: Passt die Laufzeit noch, oder ist eine Verlängerung beziehungsweise eine Abrufklausel sinnvoller?
- Kündigungsfristen beachten: Wer wechseln möchte, sollte die Frist früh im Jahr prüfen, damit der neue Vertrag rechtzeitig zum Herbst steht.
Wenn Sie den Zeitraum gleich passend festlegen möchten: Im Winterdienst-Saisonvertrag von RAT Winterdienst lassen sich Laufzeit und Einsätze in den Randmonaten nach einer kostenfreien Flächenanalyse objektbezogen vereinbaren.
Häufige Fragen
Muss ich im April noch Schnee räumen?
Ja, wenn Schnee liegt oder Glätte entsteht. Die Pflicht nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz ist an das Wetter gebunden, nicht an einen Zeitraum. Ein abgelaufener Vertrag mit einem Dienstleister ändert daran nichts.
Ab wann gilt die Winterdienst-Saison in Berlin?
Eine gesetzliche Saison gibt es nicht. Verträge beginnen üblicherweise am 1. November, bei sensiblen Objekten auch schon Mitte Oktober.
Bezahle ich bei einer Saisonpauschale auch in schneefreien Monaten?
Ja. Die Pauschale vergütet die Einsatzbereitschaft über die ganze Laufzeit, unabhängig davon, wie oft tatsächlich geräumt wird. Das sorgt für planbare Kosten.
Kann ich einen Saisonvertrag mitten im Winter abschließen?
Das ist bei vielen Anbietern möglich, oft mit angepasster Laufzeit. Nach dem ersten Wintereinbruch sind die Kapazitäten aber knapper, deshalb lohnt sich eine frühe Anfrage.