- Streugut und Spikes am Vorabend griffbereit legen.
- Während des Regens etwa alle ein bis zwei Stunden kontrollieren und nachstreuen.
- Eingänge und Stufen kommen zuerst an die Reihe.
- Salz nur, wenn der Senat eine befristete Ausnahme bekannt gibt.
- Jeden Durchgang mit Uhrzeit notieren.
Warum Eisregen so schwer zu beherrschen ist
Bei Schnee räumen Sie einmal, streuen nach und haben meist für Stunden Ruhe. Eisregen funktioniert anders: Jede neue Schicht gefriert auf der vorigen, und das gestreute Material wird von einem frischen Eisfilm überzogen. Nach einer halben Stunde kann eine gerade gesicherte Fläche wieder spiegelglatt sein. Mehr zu Räumen, Streuen und Dokumentation in der Praxis lesen Sie beim Winterdienst in Berlin.
Umgangssprachlich steht „Eisregen“ in Berlin meist für gefrierenden Regen, der am Boden Glatteis bildet. Fachlich wird zwischen gefrierendem Regen und gefrorenen Eiskörnern unterschieden; die Unterschiede der Glättearten erklärt der Beitrag Glatteis, Blitzeis, Reifglätte. Für die Praxis zählt: Solange Niederschlag auf gefrorenen Boden fällt, ist Ihre Arbeit nicht mit einem Durchgang erledigt.
Diese Wetterlage trifft Berlin typischerweise, wenn nach einer Frostperiode milde, feuchte Luft von Westen heranzieht. Der Boden ist noch tief gefroren, während es in der Höhe bereits taut. Solche Lagen können wenige Stunden, aber auch eine ganze Nacht andauern.
Am Vortag: vorbereiten, solange es trocken ist
Sobald eine Warnung vor gefrierendem Regen vorliegt, ist der Vorabend die wichtigste Zeit. Was jetzt fehlt, bekommen Sie während der Lage kaum noch.
- Abstumpfendes Streumittel in ausreichender Menge griffbereit an der Haustür, nicht im Keller hinter verschlossenen Türen
- Feinkörniges Granulat oder Splitt bevorzugen; feine Körnung haftet auf dünnem Eis besser
- Eisstoßer, Handstreuer oder Eimer mit Schaufel, Stirnlampe
- Schuhe mit Spikes oder aufziehbare Schuhkrallen für Sie selbst
- Abläufe und Rinnen frei machen, damit Wasser später abfließen kann
- Telefonnummer eines Notdienstes bereitlegen, falls Sie ausfallen
- Zettel und Stift oder Handy-Notiz für Uhrzeiten bereithalten
Wer einen Dienstleister beauftragt hat, sollte prüfen, ob der Vertrag Glätte ohne Schnee abdeckt und wie oft bei anhaltendem Niederschlag nachgestreut wird. Nach welchen Kriterien Winterdienstfirmen Einsätze auslösen, erklärt Wann rückt der Winterdienst aus?.
Stunden-Ablaufplan für eine Eisregen-Lage
Der folgende strukturierte Plan geht von gefrierendem Regen aus, der am frühen Abend einsetzt und gegen Morgen endet. Die Intervalle sind Erfahrungswerte, keine gesetzlichen Vorgaben – bei starkem Niederschlag müssen Sie häufiger kontrollieren.
| Zeitpunkt | Was zu tun ist | Worauf achten |
|---|---|---|
| Vorabend, 12–24 h vorher | Material bereitstellen, Abläufe frei machen | Warnlage und Zeitpunkt des Regens prüfen |
| Regenbeginn | Hauseingang, Stufen und Rampen abstumpfen | zuerst die Stellen mit dem meisten Publikumsverkehr |
| + 30 Minuten | erste Kontrolle: Ist das Streugut schon überfroren? | Sohle seitlich schieben, Licht flach halten |
| alle 60–120 Minuten | nachstreuen an Eingang, Treppe, Gehweg | Uhrzeit notieren; bei starkem Regen Intervall verkürzen |
| Regenende | abschließender Streugang über die gesamte Pflichtfläche | jetzt hält das Streugut am längsten |
| Morgens vor 7 Uhr | Kontrolle und Nachstreuen vor dem Berufsverkehr | sonn- und feiertags spätestens bis 9 Uhr |
| Vormittag und Folgetage | dicke Eisschicht aufbrechen und abtragen, wenn sie mürbe wird | bei erneutem Frost abends nachkontrollieren |
Ein Ablauf über eine ganze Nacht ist für Privatleute anstrengend. Wer den Wecker stellen muss, sollte zumindest kurz vor Beginn des Fußgängerverkehrs sicher fertig sein.
Nachstreuen: Wie oft, wo zuerst?
Wie häufig Sie nachstreuen müssen, hängt von drei Faktoren ab: der Niederschlagsintensität, der Bodentemperatur und der Zahl der Menschen, die den Weg benutzen. Leichter Sprühregen auf mäßig gefrorenen Platten verlangt weniger Durchgänge als kräftiger Regen auf einem tagelang durchgefrorenen Gehweg.
Prioritäten bei begrenzter Zeit
- Eingänge und Stufen: Hier stürzen Menschen am häufigsten, und hier ist der Höhenunterschied am gefährlichsten.
- Rampen und Gefällestrecken: Schon geringe Neigung macht Glatteis unbegehbar.
- Gehweg vor dem Grundstück: Ihre Anliegerpflicht nach dem Straßenreinigungsgesetz.
- Wege zu Müllplatz und Fahrradraum: werden oft morgens früh benutzt.
- Zufahrten und Stellflächen: zuletzt, aber vor der ersten Ausfahrt.
Wenn Streuen zwecklos erscheint
Gerichte haben in Einzelfällen anerkannt, dass Streuen während eines anhaltend starken Eisregens vorübergehend zwecklos sein kann, weil das Material sofort überfriert. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht: Ob diese Ausnahme greift, wird erst im Nachhinein und nach den konkreten Umständen beurteilt. Sicherer ist es, die Intervalle zu dokumentieren und nach Ende des Regens zügig zu handeln. Bei Unsicherheit empfiehlt sich nach einem Eisregen eine rechtliche Prüfung Ihres Falls.
Salz bei extremer Glätte: Was seit 2026 gilt
Streusalz und andere Auftaumittel sind auf Gehwegen in Berlin nach aktuellem Stand grundsätzlich nicht erlaubt – auch bei Eisregen nicht. Erlaubt sind abstumpfende Mittel wie Sand, Splitt und Granulat. Gerade bei Eisregen ist die Versuchung groß, doch zum Salzsack zu greifen.
Seit der Gesetzesänderung des Abgeordnetenhauses vom 26. Februar 2026 ist die Senatsverwaltung ermächtigt, für extreme Glätte befristete Ausnahmen zuzulassen, falls öffentliche Belange das erfordern. Entscheidend sind drei Punkte:
- Die Ausnahme gilt erst, wenn sie behördlich bekanntgegeben ist – nicht schon, weil es draußen sehr glatt ist.
- Sie ist befristet; nach Ablauf gilt wieder das Verbot.
- Auch während einer Ausnahme sollten Baumscheiben, Beete und Grünstreifen geschont werden.
Achten Sie in Eisregen-Lagen daher auf Meldungen der Senatsverwaltung und der Berliner Medien. Welche Mittel wo erlaubt sind und wie die Ausnahmeregel im Detail funktioniert, erläutert Ist Streusalz in Berlin verboten?.
Die eigene Sicherheit nicht vergessen
Wer bei Eisregen streut, bewegt sich selbst auf der gefährlichsten Fläche. Viele Stürze passieren genau in dem Moment, in dem jemand den ersten Schritt aus der Tür macht, um zu streuen.
- Streuen Sie vor sich her: zuerst die Fläche, auf die Sie treten, dann weiter.
- Kurze Schritte, Gewicht über dem vorderen Fuß: Lange Schritte erhöhen das Sturzrisiko.
- Keine Leitern: Dachrinnen und Eiszapfen warten, bis es trocken ist.
- Abstand zu Bäumen und Leitungen: Unter Eislast können Äste brechen.
- Autos nicht freikratzen, während es regnet: Die Scheibe vereist sofort wieder.
Für Ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen ist eine Nacht mit mehreren Streugängen kaum zumutbar. Klären Sie frühzeitig, wer in einer solchen Lage einspringt.
Fünf Fehler, die Eisregen-Nächte gefährlich machen
Die meisten Probleme entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Annahmen, die bei Schnee richtig sind und bei gefrierendem Regen nicht mehr stimmen.
- „Einmal gestreut, fertig.“ Bei Eisregen ist der erste Durchgang nach kurzer Zeit überfroren.
- „Ich streue erst, wenn es aufgehört hat.“ In der Zwischenzeit sind Eingänge ungesichert, obwohl Menschen das Haus verlassen.
- „Viel hilft viel.“ Dicke Splittschichten frieren genauso ein wie dünne und verstopfen später die Abläufe. Lieber häufiger und gezielt streuen.
- „Warmes Wasser taut das Eis weg.“ Es schmilzt die Oberfläche kurz an und gefriert dann zu einer noch glatteren Schicht.
- „Der Dienstleister macht das schon.“ Ohne Klärung, ob Glätte ohne Schnee und wiederholtes Nachstreuen vereinbart sind, bleibt offen, ob jemand kommt.
Besonders kritisch: der Übergang vom Haus zum Gehweg
Viele Anlieger konzentrieren sich auf den öffentlichen Gehweg, weil dort die gesetzliche Pflicht liegt. Gestürzt wird aber oft auf den drei Metern dazwischen: auf der Stufe vor der Haustür, dem Plattenweg durch den Vorgarten oder dem Gitterrost vor dem Eingang. Metallroste und glatte Natursteinstufen vereisen bei gefrierendem Regen besonders schnell und halten Streugut schlecht. Legen Sie dort bei Bedarf eine rutschhemmende Matte aus, die Sie nach der Lage wieder entfernen.
Wenn ein Dienst beauftragt ist
Prüfen Sie in der Eisregen-Nacht stichprobenartig, ob und wann gestreut wurde, und notieren Sie Ihre Beobachtungen. So erfüllen Sie Ihre Kontrollpflicht und haben bei Unstimmigkeiten eine nachvollziehbare Grundlage für das Gespräch mit dem Anbieter. Lokale Besonderheiten eines Einsatzgebiets finden Sie etwa unter Winterdienst Grunewald.
Nach dem Regen: Eis abtragen und dokumentieren
Ist der Niederschlag vorbei, liegt oft eine mehrere Millimeter dicke, mit Streugut durchsetzte Eisschicht auf dem Gehweg. Sie hält sich bei Dauerfrost tagelang. Wird sie bei steigenden Temperaturen mürbe, lässt sie sich mit dem Eisstoßer abschnittsweise lösen. Bei festsitzenden Panzern auf großen Flächen hilft eine fachgerechte Eisbeseitigung, die das Eis bis auf den Belag abträgt, ohne Platten zu beschädigen.
Was Sie notieren sollten
Halten Sie für jeden Durchgang Datum, Uhrzeit, Fläche und Streumittel fest. Ein Foto der gestreuten Fläche mit Zeitstempel ergänzt die Notizen. Nach einer Eisregen-Nacht kommt es häufiger zu Stürzen, und mit einer sorgfältigen Aufstellung können Sie leichter belegen, dass Sie gehandelt haben.
In Eisregen-Lagen sind alle Winterdienste gleichzeitig gefordert. Wer erst um 6 Uhr morgens anruft, wartet unter Umständen lange. Wenn Sie absehen, dass Sie die Lage nicht allein bewältigen, melden Sie sich bereits am Vorabend.
Für solche Situationen bietet RAT einen Winterdienst-Notdienst an; Daueraufträge mit wiederholtem Abstumpfen bei Glätte laufen über die Glättebekämpfung.
Häufige Fragen
Muss ich nachts bei Eisregen streuen?
Für Gehwege gilt in Berlin: Glätte ist unverzüglich nach ihrem Entstehen zu beseitigen, nächtlicher Schnee bis 7 Uhr. In der Praxis wird erwartet, dass zum Beginn des Fußgängerverkehrs gestreut ist. Wie weit die Pflicht nachts reicht, hängt vom Einzelfall ab.
Darf ich bei Eisregen Salz streuen?
Auf Gehwegen grundsätzlich nicht. Auftaumittel kommen nur dann in Betracht, wenn die Senatsverwaltung für extreme Glätte eine befristete Ausnahme bekannt gemacht hat – und auch dann nur in deren Rahmen.
Welches Streumittel wirkt bei Eisregen am besten?
Feinkörniges Granulat oder Splitt haftet auf dünnem Eis besser als grober Kies. Wirkung zeigt jedes abstumpfende Mittel nur, solange es nicht überfriert – deshalb ist Nachstreuen entscheidend.
Was mache ich, wenn ich die Lage allein nicht schaffe?
Organisieren Sie Hilfe möglichst schon am Vorabend: Nachbarn, Angehörige oder einen erfahrenen Notdienst. Ihre Pflicht entfällt nicht, nur weil Sie verhindert sind.