Wetter, Glätte & Gefahren

Ab wie viel Grad wird es glatt? Luft, Boden und Taupunkt

Glätte kann bereits bei Lufttemperaturen von +2 bis +4 °C entstehen, weil Gehwege, Brücken und Treppen in klaren Nächten deutlich kälter werden als die Luft. Entscheidend ist, ob die Oberfläche unter 0 °C fällt und gleichzeitig Feuchtigkeit vorhanden ist. Wer erst bei Minusgraden auf dem Thermometer reagiert, ist oft zu spät.

Illustration: Einsatzkraft misst im Morgengrauen die Bodentemperatur auf einem Weg der Wohnanlage
Der Wetterbericht misst in zwei Metern Höhe – ob ein Weg glatt wird, verrät erst die Temperatur direkt an der Oberfläche.
Das Wichtigste in Kürze
  • Glätte entsteht schon bei Luftwerten von +2 bis +4 °C, wenn die Oberfläche unter 0 °C abkühlt.
  • Klare, windstille Nächte und hohe Luftfeuchte sind die typischen Vorboten von Reifglätte.
  • Brücken, Rampen, Treppen und Schattenlagen werden zuerst glatt – dort beginnt jede Kontrolle.
  • Regen auf ausgekühlten Boden im Spätwinter kann bei Plusgraden sofort gefrieren.
  • Messen und notieren statt schätzen: Oberflächentemperatur, Uhrzeit und Maßnahme festhalten.

Die Kurzantwort: Es zählt die Oberfläche, nicht die Luft

Die Temperatur im Wetterbericht wird in zwei Metern Höhe gemessen, geschützt in einer Wetterhütte. Für die Frage, ob ein Weg glatt wird, ist dieser Wert nur ein grober Anhaltspunkt. Maßgeblich ist die Oberflächentemperatur des Belags – also von Pflaster, Asphalt, Stahl oder Holz.

Zwischen beiden Werten können in einer klaren, windstillen Nacht mehrere Grad liegen. Deshalb warnen viele Autos bereits ab etwa +4 °C Außentemperatur vor möglicher Glätte, und deshalb rutschen Fußgänger morgens auf Gehwegen aus, obwohl das Thermometer am Fenster +2 °C zeigt.

Drei Bedingungen für Glätte
  • Die Oberfläche hat 0 °C oder weniger.
  • Es ist Wasser vorhanden – als Regen, Nässe, Tau, Nebel oder Luftfeuchtigkeit.
  • Das Wasser hat Zeit zu gefrieren oder schlägt sich direkt als Eis nieder.

Fehlt eine der drei Bedingungen, bleibt der Weg griffig. Fehlt keine, wird es glatt – unabhängig davon, was die Wetter-App anzeigt.

Warum der Boden kälter wird als die Luft

Jede Oberfläche gibt nachts Wärme als Strahlung ab. Bei bewölktem Himmel wird ein Teil davon zurückgeworfen, bei klarem Himmel entweicht sie fast ungehindert. Ohne Wind fehlt zudem die Durchmischung mit wärmerer Luft. Das Ergebnis: Die Oberfläche kühlt schneller aus als die Luft darüber.

Was die Abkühlung verstärkt

  • Freiliegende Bauteile: Brücken, Stege, Laubengänge, Treppen aus Stahl oder Naturstein haben keinen Kontakt zum wärmeren Erdreich und kühlen von oben und unten aus.
  • Dünne Beläge über Hohlräumen: Tiefgaragendecken, Kellerabgänge und Rampen verhalten sich ähnlich wie Brücken.
  • Freie Lage: Unverbaute Flächen ohne Bäume oder Dachüberstand verlieren mehr Wärme an den Himmel.

Die Rolle der Jahreszeit

Im November ist das Erdreich noch vom Herbst gespeichert warm. Erste Frostnächte führen dann oft nur zu Reif auf exponierten Stellen, während normale Gehwege offen bleiben. Ab Januar ist der Boden ausgekühlt oder sogar gefroren. Fällt dann Regen auf diesen kalten Untergrund, kann er sofort gefrieren – selbst wenn die Luft bereits Plusgrade hat. Genau diese Lage gehört im Spätwinter zu den gefährlichsten.

Der Taupunkt: Woher die Feuchtigkeit kommt

Glätte braucht Wasser, aber nicht unbedingt Niederschlag. Luft enthält Wasserdampf. Kühlt eine Oberfläche unter den sogenannten Taupunkt ab, schlägt sich dieser Dampf auf ihr nieder. Liegt die Oberfläche dabei unter 0 °C, entsteht direkt Reif – eine feine Eisschicht, die auf Stein und Holz kaum zu sehen ist.

Ein Beispiel: Bei +2 °C Lufttemperatur und 90 % relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa +0,5 °C. Kühlt das Pflaster in der Nacht auf −2 °C ab, liegt es sowohl unter dem Taupunkt als auch unter dem Gefrierpunkt. Folge: Reif bildet sich, ohne dass ein Tropfen Regen gefallen ist.

Als Faustregel gilt: Je kleiner der Abstand zwischen Lufttemperatur und Taupunkt, desto feuchter ist die Luft und desto schneller entsteht Reif. Liegen beide Werte nur ein bis zwei Grad auseinander und ist eine klare Nacht angekündigt, sollten Sie mit Glätte rechnen. In Berlin trifft das besonders auf Lagen an Spree, Havel und den Seen zu, wo Nebel die Luft zusätzlich anfeuchtet.

Schaubild: Luft- und Bodentemperatur im Zusammenspiel

Die folgende Übersicht zeigt typische Kombinationen und das zu erwartende Glätterisiko. Sie ersetzt keine Messung, hilft aber bei der Einschätzung am Vorabend.

Luft (2 m)OberflächeFeuchtigkeit / WetterWas passiertRisiko
+5 °C+3 °CRegen, bewölktWeg bleibt nassgering
+3 °C−1 °Cklare Nacht, hohe LuftfeuchteReif auf Brücken, Treppen, Autodächernmittel
+1 °C−2 °CNässe vom VortagPfützen und Feuchtfilme gefrierenhoch
+2 °C−3 °CRegen auf ausgekühlten BodenRegen gefriert beim Auftreffensehr hoch
−4 °C−5 °Ctrocken, kein Niederschlagkaum neue Glätte, alte Eisreste bleibengering bis mittel
−1 °C−1 °Cleichter SchneefallSchnee wird festgetreten und vereisthoch

Auffällig ist die letzte trockene Kältezeile: Bei strengem Frost ohne Feuchtigkeit entsteht kaum neue Glätte. Die heikelste Zone liegt um den Gefrierpunkt herum, wenn Wasser im Spiel ist. Welche Erscheinungsformen dabei auftreten – Glatteis, Blitzeis, Reifglätte –, erklärt der Ratgeber Glatteis, Blitzeis und Reifglätte.

Illustration: Splitt wird nachts bei gefrierendem Regen auf einen Altbau-Gehweg gestreut
Regen auf ausgekühltem Pflaster gefriert beim Auftreffen – im Spätwinter auch dann, wenn die Luft schon Plusgrade zeigt.

Beispielnacht: Wie Glätte Stunde für Stunde entsteht

Eine typische Berliner Januarnacht nach einem regnerischen Nachmittag zeigt, wie unauffällig sich das Risiko aufbaut. Die Werte sind ein anschauliches Muster, keine Messreihe:

UhrzeitLuftPflasterZustand des Gehwegs
17 Uhr+4 °C+3 °Cnass, Wolken lockern auf
21 Uhr+3 °C+1 °Cnass, Himmel klar, kein Wind
1 Uhr+2 °C−1 °CFeuchtfilm gefriert an Brücken und Treppen
5 Uhr+1 °C−2 °Cdünnes Eis auf der ganzen Fläche, zusätzlich Reif
8 Uhr+1 °C−2 °CTiefstwert kurz nach Sonnenaufgang, Schatten bleibt vereist

Wer um 21 Uhr auf das Thermometer schaut, sieht +3 °C und geht beruhigt schlafen. Am Morgen ist der Weg spiegelglatt, obwohl die Luft die ganze Nacht über dem Gefrierpunkt lag. Entscheidend waren die klare Nacht und die Restnässe vom Nachmittag.

Faustregeln für die Morgenkontrolle

Wer eine Fläche betreut, braucht eine einfache Routine, die vor dem Berufsverkehr funktioniert. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Am Vorabend: Vorhersage prüfen. Sind Tiefstwerte von +4 °C oder weniger, klarer Himmel oder Niederschlag angekündigt, ist eine Kontrolle am Morgen fest einzuplanen.
  2. Früh genug starten: Die Kontrolle sollte so liegen, dass bis 7 Uhr gestreut werden kann – an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr.
  3. Zuerst die kältesten Stellen: Brücken, Rampen, Treppen, Gitterroste und schattige Ecken prüfen, nicht den Gehweg direkt vor der Haustür.
  4. Messen statt schätzen: Ein Infrarot-Thermometer zeigt die Oberflächentemperatur in Sekunden. Werte unter +1 °C bei feuchtem Belag sind ein klares Signal zum Streuen.
  5. Indikatoren nutzen: Reif auf Autoscheiben, Raureif an Zäunen oder eine knisternde Pfütze verraten Minusgrade an Oberflächen.
  6. Nachkontrolle planen: Die tiefste Temperatur wird oft erst kurz nach Sonnenaufgang erreicht. Ein zweiter Blick gegen 8 oder 9 Uhr verhindert böse Überraschungen.
  7. Befund notieren: Uhrzeit, gemessene Temperatur, Zustand und Maßnahme festhalten – das ist im Streitfall Ihr Nachweis.

Wo auf Ihrem Grundstück die Kontrolle beginnen sollte, zeigt der Beitrag Wo entsteht Glätte zuerst? mit einer Prioritätenliste für ein Musterobjekt.

Typische Fehleinschätzungen bei Plustemperaturen

  • „Es sind doch Plusgrade.“ Die Luft vielleicht – der Belag nicht. Gerade bei +1 bis +3 °C und klarer Nacht entstehen viele Unfälle.
  • „Der Weg ist trocken.“ Reif bildet sich aus der Luftfeuchte und ist auf grauem Pflaster praktisch unsichtbar.
  • „Nach Sonnenaufgang wird es besser.“ Bis die Sonne wirkt, vergeht Zeit; schattige Flächen erreichen den Tiefstwert oft erst am Vormittag.
  • „Gestern war alles frei.“ Tauwasser vom Tag gefriert am Abend wieder. Wer nur morgens prüft, übersieht diese Abendglätte.
  • „Es regnet, also kann es nicht glatt sein.“ Regen auf gefrorenen Boden ist die Ausgangslage für gefrierenden Regen – eine der gefährlichsten Wetterlagen überhaupt.

Messgeräte und Warnungen sinnvoll nutzen

Für private Grundstücke genügt meist ein günstiges Infrarot-Thermometer, das Sie auf den Belag richten. Hausverwaltungen und Betriebe mit größeren Flächen setzen teils fest installierte Bodensensoren ein, die Oberflächentemperatur und Feuchte melden. Ergänzend lohnt der Blick auf amtliche Wetterwarnungen: Der Deutsche Wetterdienst gibt Warnungen vor Glätte und Glatteis heraus, gestaffelt nach Stufen. Was die einzelnen Stufen bedeuten und wie Sie darauf reagieren, erklärt der Ratgeber zur Glättewarnung des DWD.

Ein Messwert ist allerdings nur so gut wie der Ort, an dem er entsteht. Ein Sensor im sonnigen Vorgarten sagt wenig über die schattige Tiefgaragenrampe. Messen Sie deshalb immer an den kritischen Stellen.

Hilfreich ist außerdem ein einfaches Wetterbuch für die Saison: Notieren Sie an Frosttagen morgens Lufttemperatur, gemessene Oberflächentemperatur und ob Glätte vorhanden war. Nach einigen Wochen erkennen Sie, bei welchen Werten Ihre Flächen typischerweise vereisen. Diese Erfahrungswerte sind für Ihr Grundstück oft aussagekräftiger als jede allgemeine Faustregel.

Wenn aus der Kontrolle eine Pflicht wird

Sobald sich auf Gehwegen Glätte bildet, verlangt das Berliner Straßenreinigungsgesetz nach aktuellem Stand, sie unverzüglich zu beseitigen – mit abstumpfendem Material wie Splitt, Sand oder Granulat. Daraus folgt praktisch: Wer verpflichtet ist, muss die Lage im Blick behalten – auch an Tagen, an denen kein Schnee fällt. Für private Flächen wie Höfe und Parkplätze gilt die allgemeine Verkehrssicherungspflicht. Wie weit diese Pflichten im Einzelfall reichen, sollte bei Unklarheiten rechtlich geprüft werden.

Wer morgens um sechs nicht selbst Temperaturen messen möchte, kann die Aufgabe abgeben: RAT Winterdienst übernimmt Glättekontrollen zu festen Zeiten und dokumentiert jeden Befund digital. Wird Glätte festgestellt, folgt direkt der Streudienst mit umweltschonenden Streumitteln.

Häufige Fragen

Kann es bei +3 °C glatt sein?

Ja. Die Lufttemperatur wird in zwei Metern Höhe gemessen. In klaren, windstillen Nächten kann der Boden mehrere Grad kälter sein. Liegt die Oberfläche unter 0 °C und ist Feuchtigkeit vorhanden, bildet sich Glätte – häufig als kaum sichtbarer Reif.

Warum sind Brücken früher glatt als Straßen?

Brücken haben keinen Kontakt zum wärmeren Erdreich und kühlen von oben und unten aus. Ihre Oberfläche erreicht deshalb früher Minusgrade als ein Gehweg auf festem Grund. Dasselbe gilt für Rampen über Tiefgaragen und freistehende Treppen.

Wann ist die Glättegefahr am Morgen am größten?

Die tiefste Temperatur wird oft kurz nach Sonnenaufgang erreicht. Schattige Flächen bleiben noch länger kalt. Eine Kontrolle vor 7 Uhr und eine Nachkontrolle am Vormittag decken diese kritische Phase ab.

Wird es bei strengem Frost glatter als um 0 °C?

Nicht unbedingt. Bei trockenem, strengem Frost entsteht kaum neue Glätte, weil Wasser fehlt. Am gefährlichsten ist der Bereich um den Gefrierpunkt, wenn Nässe, Tau oder Regen auf kalte Oberflächen treffen.

Redaktion RAT Winterdienst

Unsere Ratgeber entstehen aus der Praxis des Berliner Winterdienstes: Was sich auf Gehwegen, Höfen, Parkplätzen und Zufahrten bewährt, schreiben wir verständlich auf. Rechtliche Hinweise geben den Stand Oktober 2026 wieder und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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